Val Vogna Peccia 1529 -> Passo del Maccagno 2495m -> Colle Lazoney 2395m -> Colle della Mologna grande 2364m -> Rifugio Rivetti 2150m
(Bätzing 8)

30. 08. 2017. – Zehnter Tag
Abschied aus Peccia mit einem leckeren Müsli. Ein Stück talaufwärts gleich eine von Napoleons Soldaten erbaute Steinbrücke:
Der Himmel heute Morgen eher wolkenverhangenen, wegen der relativ langen Strecke bin ich schon um halb Acht aufgebrochen. Paola hatte mir noch zugeredet: „Wenn die Sonne kommt, vertreibt sie die Wolken!“ – aber diese elementare Kampf dauerte den ganzen Tag.

Gletscher hatten dieses Tal stufenmäßig geformt, so dass steilere Passagen mit flacheren Strecken sich angenehm abwechselten. Dann kündigte sich die Alp Maccagna an:
Eine der Milchlieferantinnen für den berühmten Toma-Käse, der hier oben hergestellt wird.
Doch dann geht’s noch mal aufwärts, und zwar durch Steinwüsten, scheinbar ohne Ende:

Der Wanderführer hatte geraten, sich bei der Wegfindung vor allem an den Steinmännchen zu orientieren. Das gelang ganz wunderbar, denn es waren wahre Wunderwerke an Aufschichtungen entstanden. Fast 1 Stunde dachte ich darüber nach, warum im Zeitalter der Gleichberechtigung immer noch nur von ‚Steinmännchen‘ die Rede ist. Gibt es keine Steinweibchen? Vielleicht deshalb nicht, weil es dann möglicherweise auch Steinkindchen geben würde…
Mit solchen Gedanken und gemischten Gefühlen ging es zur Passhöhe, würde mich wieder so ein Schwindel erregender Steilabsturz erwarten? — nein, alles o. k., steil, aber gut machbar.

Nach einer Pause – nicht auf der windigen Höhe – ging das Auf und Ab durch die Steinwüsten aber erst richtig los. Immer unter Beteiligung der Wolken, die mal dichter, mal lichter waren:
Ich hatte nun in einen Rhythmus hinein gefunden, der sich in wiegendem Gang gut durchhalten ließ. Wenn auch anstrengend, da über Stunden.
Kurzer Exkurs: heute Schulanfang in NRW, Gruß an die SHS! Es stellt sich tatsächlich das Gefühl ein, in den Ruhestand zu GEHEN! Wenn auch seeehr schweißtreibend.
Dann noch den letzten Pass bezwingen – aber vom Rifugio ist im Nebel lange nichts zu sehen.
Aber dann doch:
Beim Abstieg piepst das Handy: wieder Netz. Mein alter Kindergartenfreund Karl-Lutz ist in Venedig angekommen. War am 4. August in München gestartet. Respekt und GLÜCKWUNSCH!!!
Der Abend gestaltet sich dann ganz nett in großer Runde: eine fünfköpfige deutsche Familie, zwei junge Sachsen die im Zelt schlafen. Cena: Pasta mit Pomodoro und Auberginen, Salat Kraut und Möhren zum anmischen, Kartoffelbrei mit Gulasch, Tiramisu, Vino Rosso. Gespräche über das Leben, die Zukunft, die Arbeit, die Vergangenheit.
Und dann waren da noch die Sky Runner: wir wunderten uns alle, wie sich der Nachbartisch nach und nach mit italienischen Männern füllte. Sie zogen ihr Lauf Shirt aus, hängten es zum Trocknen über die Stange unter der Decke und zogen ein trockenes Hemd an. Später hörten wir, dass diese Gruppe jeden Mittwoch die 1000 Höhenmeter von Piedecavallo hoch joggt, gemeinsam das Abendessen einnimmt und – o Graus – im Dunkeln mit Stirnlampe wieder runter joggt.


2 Kommentare

Jochen Künkele · 1. September 2017 um 16:00

Lieber Uwe,
auf Italienisch kann ich nichts beitragen, aber kurz etwas aus deinem ehemaligen Wirkensort berichten: Maria W. setzte sich freundlicher Weise auf deinen SFK-Platz! In der Aula erwartete ich vergebens den Ansatz für den Spruch und das „Guten Morgen!“ Im Lehrerzimmer um 8.10 Uhr sind wir in der Gruppen-Findungs-Phase. Es gibt schon so Löcher, die gefüllt werden wollen! Wir arbeiten auch daran.
Ich wünsche Dir viele schöne Wandertage, Dein Ex-Kollege Jochen

Uwe Möller-Lömke · 2. September 2017 um 10:28

Ich habe in den letzten Tagen wirklich viel an meinen langjährigen Wirkungsort gedacht, der ja nun ein ehemaliger ist. Und ich erlebe wirklich das Herausgehen – physisch und mental.
Liebe Grüße an euch alle und weiterhin einen guten Start!

Mit Gruß gesendet von unterwegs.

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