Kapelle zum Valentinstag:

Aufgeschnittene Avocado, in Herzform drapiert
Foto: Homepage Tomatissimo

Seit einiger Zeit testet der Gastrokritiker der FASZ Jürgen Dollase in der Kolumne ‚Hier spricht der Gast‘ Abhol- und Lieferservices mit wachsender Zustimmung. Höchste Zeit, selbst so etwas auszuprobieren. Da traf es sich gut, dass das ‚Tomatissimo‘ (Gault Millau: zwei Kochmützen, 15 Punkte) ein Valentinsmenue anbot.

Eingangsbereich Restaurant Tomatissimo

Die angebotene passende Weinbegleitung:

Dazu Weinpoesie aus dem Internet:

Valentino, Gavi von La Scolca: Auf altem, italienischem Boden pflanzte die Familie Soldati junge, dynamische Cortese-Rebstöcke, die ein unvergleichliches Gegenspiel bilden. Denn die jungen Cortese- Trauben verleihen dem Valentino eine der Meeresbrise gleichende Frische, die von einer angenehmen Säure getragen wird. Dagegen wird man am Gaumen von einem zarten Bukett abgeholt, das mit einer unverwechselbaren Feinheit überzeugt. Vollendet wird der Wein durch seine charakteristische Leichtigkeit, was ihn zu einem vielseitigen Talent macht.

Barbera d‘ Alba, Trediberri: Das Ergebnis ist ein extrem puristischer Barbera mit Schwarzkirsche und Schlehe, und so viel Sauerkirsche, wie man es sich nur vorstellen kann. Sehr intensiv, sehr lang, nichts geschminkt. Die Rappen tun ihr Übriges um die Frische zu erhalten und um dem Ganzen einen leichte Krautwürzigkeit zu geben. Das ist ein faszinierender Barbera, der aber in seiner massiven Fruchtigkeit überwältigend ist. Der ganze Mund wird überflutet. Es knallt richtig. Aber, wie gesagt, ungeschminkt. Einfach nur lang, intensiv. Sauerkirschig bis zum Ende. Ein leichter Hauch Blaubeere kommt darunter. Und durch die Rappen bekommt der Wein so etwas wie eine Super Finesse wie von der Rebsorte Freisa. 93/100

Alles in coronakonformer Größenordnung für 3 Personen.

Vorspeise

Avocado als Creme und in Scheiben, Granatapfel- und Pinienkerne, Meeresfrüchte in einer köstlichen Marinade.

Anzumerken bei den heimischen Fotos ist, dass sie in keiner Weise ein Food Styling durchlaufen haben.

Sehr interessant war bei diesem Entree der Spannungsbogen der Texturen: cremig und schmelzend die Avocado bis crunchy bei den Kernen. Dazu die Meeresfrüchte umspielt von einer traumhaft-fruchtig-scharfen Marinade!

Hauptgang

Kalbsfilet, Chili-Ingwer-Jus, Artischocken, Paprika, Kürbiskern-Gnocchi

Beim Hauptgang war etwas Hand anzulegen. Gemüse und Gnocchi in den Vakuumbeuteln im Wasserbad erhitzen, Soße aufkochen und aufmixen, Filet je Seite 1 Minute scharf anbraten.

Die Komposition auf dem Teller und der Saucenspiegel waren beachtlich. Der Genuss konnte sich durch verschiedene Ebenen und Tiefen entwickeln. Und auch die Kriterien des Gastrokritikers trafen zu:

„Eine moderne Sensorik macht im Prinzip etwas ganz Ähnliches wie eine gute räumliche Regie bei einer Musikaufnahme. Durch unterschiedliche zeitliche Vorläufe, durch Dinge, die man zuerst, und andere, die man verzögert wahrnimmt, durch Überblendungen und zeitlich gestaffelte Verläufe oder durch den Eindruck von Vorder-, Mittel- und Hintergrund kann eine enorme Qualität entstehen, die vor allem dann zu einem völlig neuen Esserlebnis führt, wenn man auf so etwas achtet.“

Teller hauptgang: Gnocchi, Artischocken, Paprika, Kalbsfilet, Sauce

So sahen die Teller nach jedem Gang entsprechend aus:

Nicht zu vergessen das Dessert:

„Liebesapfel“ mit Pistazienfüllung – Matcha-Eisparfait – weiße Schokolade-Rosenblüten-Sauce

Der „Liebesapfel“ war wohl dem Datum und Anlass geschuldet; die rot glasierte Pistazien-Apfel-Füllung mit Schokostiel sah aus wie von der Kirmes. Die halbgefrorene Süßspeise mit Geschmack nach Grüntee passte optisch zu den Pistazien und geschmacklich zu der schokoladigen Sauce.

Liebesapfel mit Matcha-Parfait und Soße

Fazit: Ein kulinarisch wunderbarer Abend im Lockdown, bei dem es viel Spaß bereitete, beim Anrichten selbst tätig sein zu können. Auch, wenn auf den Tellern alles nicht so perfekt montiert war, wie im Restaurant. Anschließend ein umfängliches Vergnügen beim Genießen der Speisen und Getränke @ home.

SEHR EMPFEHLENSWERT!

*

P.S.: Ein ganz anderes Essen am Valentinstag als im Vorjahr!


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