Enger wandern– was für ein schöner Ausdruck in Pandemiezeit! Genauer beschreiben würde die Formulierung ‚Enger wandert‘ oder ‚Enger umwandern‘. Siehe dazu das folgende Foto unserer Wanderstrecken.

Wenn in Zeiten von πανδῆμος viel Wert auf physische Abstände und auch auf social distancing Wert gelegt wird (Man hält untereinander Abstand, berührt möglichst wenig Gegenstände und Lebewesen, die andere berührt haben könnten, und vermeidet den Besuch von Veranstaltungen, Geschäften und (halb-)öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Bibliotheken und Restaurants), ist irgendwann das Bedürfnis groß nach Bewegung und Begegnung. Dies war deutlich wahrzunehmen, als ich im Rahmen des Heimatvereins Enger Wanderungen anbot, die zwei Jahre geruht hatten. Also: Enger wandern!

Nach einiger Bedenkzeit (Gruppenwandern? Vereinswandern? Heimatverein?) hatte ich die Neugestaltung dieser Wandertouren übernommen: ‚Acht am Mittwoch‘ war dazu mein Vorschlag.

Überschaubare Strecke, fester Rhythmus, unterwegs interessante Informationen – alles, um wieder in eine feste Struktur zu kommen.

Ein Leserbrief

Es heimatet in Enger. Schön, dass dieser nicht einfache Begriff im Gespräch ist und dass es Austausch darüber gibt. 2 Bücher, Ausstellungen, Podium, Videodoku und noch viel mehr belegt die Aktualität, die durch die derzeitige politische Situation, Kriege und Unterdrückungen pointiert wird.

Einen Gesichtspunkt habe ich bislang dabei vermisst: Heimat ist nicht nur Küchengeruch oder Schlafstadt, sondern auch und vor allem für mich: Landschaft!

Wenn ich auf dem Hügel der Liesbergmühle stehe, kann ich in der einen Richtung das Wiehengebirge, in der entgegengesetzten den Teutoburger Wald am Horizont erkennen. Und kann mich so im Herzen des Ravensberger Landes heimisch fühlen. Und wenn ich über den Sachsenweg von der Ravensburg zur Limburg wandere, erlebe ich Wege, die geschichtsträchtig sind. Hier sind vor gut 1200 Jahren Menschen gezogen, die im Rahmen der blutigen Christianisierung durch die Soldaten von Karl dem Großen miteinander Auseinandersetzungen hatten. Ein bis in die heutige Zeit wichtiges, prägendes und entscheidendes Ereignis – vor allem, wenn sich der Sachsenanführer nach langem Hin und her (aus freier Entscheidung?) für den christlichen Glauben entschieden hat. Vor kurzem war das gerade noch einmal in eigener Interpretation als Oper im Industriegebiet erlebbar. So wird für mich sehr wohl in der Verbindung von Landschaft und Geschichte die besondere Stellung Widukinds erlebbar.

In diese Zeit reichen auch der Überlieferung nach die das Bild der Gesamterscheinung von Enger bestimmenden Sattelmeierhöfe zurück. Sie gehören zur landschaftlichen Heimat von Enger, sind also kein Experiment. Die Stadt Enger selbst spricht auf ihrer Homepage von „legendären Sattelmeierhöfen“. Sie sind aus meiner Sicht konstitutiv für Enger!

Nun hat einer dieser Sattelmeier den Zugang zu seinem ‚Privatgelände‘ gesperrt. Betretenden wird mit Lebensgefahr gedroht. Und das ganz im Widerspruch zu §14 Bundeswaldgesetz und §57 Landesnaturschutzgesetz  NRW. Massive Schranken und doppelflügelige Tore mit Betonfundamenten sollen Wandernde am Erleben von Geschichte und Heimat hindern. Dabei sollten doch gerade die Sattelmeier ihrem immanenten Auftrag, Geschichte und Heimat erlebbar zu machen, gerecht werden! Am Baringhof ist derzeit das Gegenteil der Fall. Bleibt zu hoffen, dass die zuständige untere Naturschutzbehörde diese Eigenmächtigkeiten wieder aufheben kann, so dass das Erleben aller fünf Höfe, die zur Heimat in Enger gehören, wieder angemessen möglich ist.

Uwe Möller-Lömke, Wanderwart beim Heimatverein Enger

Eine wunderbare Rückmeldung erhielt ich als verantwortlicher Wanderwart im Oktober:
„Hallo Uwe,
Die Wanderung letztes Mal war zwar eine sehr grosse Herausforderung für mich, mir war zum Schluss etwas übel und die Füsse taten mir weh. Aber als ich mich ein bisschen erholt hatte, kam ein angenehmes Körper- und Seelengefühl.
Seitdem habe ich mehr trainiert, mir Wanderschuhe gekauft und freue mich, wenn wir morgen die Wanderung zusammen antreten.“
Das ist doch nahezu ideal!

Für 2022 sinkt die Sonne – aber 2023 gibt es auch in diesem Rahmen ein neues Wanderjahr!



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