„Die Schirn beleuchtet Facetten des Gehens in der zeitgenössischen Kunst.“

Diese aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Frankfurt am Main verbindet zwei meiner Interessensschwerpunkte: Zeitgenössische Kunst und Bewegung. Und da das Aktionsportal Bahndampf gerade günstige Tickets anbot ->->-> nichts wie hin!

Die Struktur der Schau stellt sich fast wie eine Meta-Ebene der Bewegungs-App Komoot dar:

● Umherschweifen ● Beobachten ● Nicht-Gehen ● Erzählen ● GEHEN! ● Produzieren

Alle diese Tätigkeiten finden sich in unterschiedlichen Formen und Schwerpunkten auch in den Kommentaren der Beiträge in Komoot wieder, die längst über eine Wander-App hinausgewachsen ist.

Im begleitenden Faltblatt der Ausstellung ist die Rede von „psychogeografischen Erkundungen; Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Landschaft; Prozess der räumlichen Ausdehnung mit gleichzeitiger Verdichtung; Wiedererobern von vom Militär geraubten Landmarken; gesteigertem Zustand der Wahrnehmung; Sammeln von Fundstücken und Eindrücken samt derer Umgestaltung.“

Der geneigte Komoot-Kenner / die geneigte Komoot-Kennerin mag sich selbst einer Gruppierung zuordnen bzw. sofort deren Vertreter*in benennen können.

„Das Gehen ist bewusste und zum höchsten Bewusstsein erhobene Tätigkeit, welche die Umwelt intensiver erscheinen lässt und die Einsicht in unsere grundsätzliche Abhängigkeit von dieser Umwelt und die Fähigkeit, mit ihr zu kommunizieren, herausfordert und herausfordern kann.“

2 Beispiele:

  • Daniel Beerstecher bewegte sich für eine Performance auf einer Distanz von 42,195 km so langsam vorwärts, dass er gerade einmal 120 Meter pro Stunde zurücklegte. Insgesamt 6 Stunden pro Tag, 60 Tage lang, im meditativen Gehen. Alles per Video dokumentiert.
  • Regina José Galindo prangerte staatliche Gewalt in dem seit 36 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Guatemala an. „Wer kann die Fußabdrücke auslöschen?“ Sie lief barfuß vom Verfassungsgericht zum Regierungspalast, tauchte immer wieder ihre Füße in eine Schüssel mit Blut, um eine Spur zu hinterlassen. Diese soll verweisen auf die überwiegend weiblichen Opfer militärischer Gewalt.

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Zwischenfrage:
Was hast du am 03. April 2020 gemacht, als Hamish Fulton (Nestor des Gehens als Kunstform) 49 Barfußschritte in jede Richtung auf Gras unternommen und der Amsel zugehört hat? Meine Aktivität findet sich tatsächlich auf Komoot:  https://www.komoot.de/tour/165969293

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Etwas Rahmenprogramm gehört auch zu solch einer Tagesunternehmung: Ein wenig Mainufer, Frühling auf dem Teller, ein Gang durch die hässlichste Fußgängerzone Deutschlands, ein etwas historisierender Blick aus der schönsten Toilette Frankfurts. Oben im Eschenheimer Turm, in Richtung dahin, wo früher das geschätzte Rundschau-Haus stand. Über die Debakel der DB-An- und Abreise breite ich den Mantel des Schweigens.


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