Hinweis zu Beginn: Dies ist ein langer, intensiver Bericht in 6 Kapiteln (Flashs)
1. Das authentische Viertel
2. Quartier des Tanneurs – bei den Gerbern
3. Der Blick auf den Hohen Atlas
4. Wieder der Weg
5. Souk des Teinturiers – der Hof der Färber
6. Jardin Majorelle – der Garten von Yves Saint Laurent

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Mit zehn Tagen Abstand lässt es sich berichten.
Am 07. 12. 2017 war ich noch zu voll von der Fülle der vielen wundersamen Geschehnisse.
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Eine gute Voraussetzung für einen wunderbaren Tag ist ein perfektes Frühstück: Hier bei Hamza umfasste es unter anderem frischen Orangensaft, Obstsalat, Crêpes und grüne Erbsensuppe. Dann startet die Airbnb-Familie Richtung Gerberviertel, gut versehen mit einigen wichtigen Tipps von Cécile.

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1. Flash – das authentische Viertel
Der Weg führte uns im nordöstlichen Bogen um die Medina herum, eine Gegend, überhaupt nicht geprägt als touristisches Shoppingareal. (Place Sidi Youb) Vielmehr nervte er hier Moppedgeknattere und es gab schattenspendende Einkaufsmöglichkeiten für die Anwohner
Nicht immer waren die Esel so geruhsam wie dieser hier:
Die Tatsache, in einem ‚echten‘ Wohn-, Lebens- und Arbeitsviertel der Marrakeschis unterwegs zu sein, ließ mich gegenüber dem Gefühl des Bedrängtwerdens in den Souks deutlich aufleben. 👍🙏🇲🇦
Es gab Wohnungseingänge von unglaublicher Einfachheit und Schönheit:
Allmählich näherten wir uns dem Quartier der Gerber:
Auf dem Platz direkt davor waren bereits gegerbte Häute (nun eigentlich Rohleder) zum Trocknen in der Sonne ausgelegt:

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2. Flash – Quartier des Tanneurs – bei den Gerbern
Am Eingang erhielten wir zunächst jeder ein Büschel Minze, um dieses gegen den Gestank von Ammoniak unter die Nase zu halten. Bei 24° C hielt dieser sich in erträglichen Grenzen, bei 20° höheren Temperaturen im Sommer ist dieser deutlich stärker.
Über einen großen Innenhof erstreckt sich sich eine große Anzahl von in den Boden eingelassenen Betonbottichen unterschiedlichen Inhalts.Der Baedeker schreibt: ‚Kuh-, Ziegen-, Schafs- und Kamelhäute werden zunächst von Fell- und Fleischresten gereinigt. … Danach kommen die Häute zum Härten in ein Becken mit Wasser und Blut, werden anschließend mit einer Beize aus Taubenkot und Tierurin behandelt, nochmals gewässert, getrocknet und schließlich gefärbt.‘ Ein paar rudimentäre Eindrücke davon, mehr visueller als olfaktorischer Art:


Zum Schluss sind wir dann doch mit Unterstützung unseres Guide in einem Shop gelandet; hier die Damen der Airbnb-Familie beim Teppichhändler:

In den folgenden Strukturen tauchen die Dünen der Wüste auf:

Und dieses intensive Blau ohne Muster hat mich derartig weiter verfolgt, so dass ich die Decke zwei Tage später dann doch erwerben musste:

Adieu Tanneurs:

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3. Flash – der Blick auf den Hohen Atlas

Unser Weg ging weiter:

Richtung Maison de la Photographie, auf die Dachterasse des benachbarten Restaurant Dar TAZI:

Wo es natürlich den Thé a la menthe gab:

Traditionell serviert:

Und einen erfrischenden Avocadosalat:

Doch das eigentliche, beeindruckendste Erlebnis des Tages trat ein, als ich eine Weile über die Dachlandschaft von Marrakesch Richtung Süden geschaut hatte:
Waren es zunächst Wolken — oder was??
Strukturierten sich aus der Wahrnehmung Berge heraus?
WAR es eine WAHRnehmung oder eine Sinnestäuschung??
Eine Weile fluktuierten die Eindrücke hin und her, bis sich dann – durch die Begleiterinnen bestätigt – die hellen Zonen über dem blauen Horizont als das Hohe Atlasgebirge herausstellten.
Bei weitem nicht so deutlich wie im Headerbild dieses Artikels, doch genau in der Art, wie ich es im Sommer wiederholt in den Alpen erlebt und beschrieben habe.
Dieses Switchen in der Wahrnehmung und Entscheidungsfindung war so intensiv und wahr, dass mir nach der Festlegung ‚doch Berge!‘ die Tränen in die Augen traten und ich von diesem Augenblick (Augen-Blick!) und Phänomen sehr berührt war!
Ich glaube, meine Begleiterinnen haben dies mitbekommen. Die Fotolinse meines Handys nicht.

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4.Flash: Wieder der Weg

Nach der Stärkung und inneren Berührung führte der Weg uns weiter, denn nach den Gerbern müssen sich die Färber anschließen. Also wieder in einem großen Bogen um die Souks herum, begleitet von Moppedgeknatter, das sich intensiviert, wenn die Postzustellung den Weg blockiert.
Vorbei an Funduqs (Alte Karawanserails, „Hier sind früher die Karawanen aus Timbuktu angekommen!“) und Läden aller Art:
Bis zum Eingang des Souk des Teinturiers, der sich in einer farbenfrohen Wand ankündigt:

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5. Flash – Souk des Teinturiers – der Hof der Färber

5 Möglichkeiten, sich zu informieren:
– mittels eines Piktogramms
– in arabischer Schrift
– mit den Buchstaben des Berberalphabets
– lateinische Lettern auf Französich
– ganz zeitgemäß per QR-Reader und Handy:

Malerisch werden für Besucher historische Farbpulver arrangiert und erklärt – die gedruckten Reisefüherer berichten eher vom Einsatz chemischer Farbstoffe:

Seitlich in einem kleinen Raum stehen zwei Männer an einem dampfenden Kessel, ein halbes Stockwerk tiefer lodert ein Höllenfeuer:

Sie laden ein, näherzutreten und gegen entsprechendes Entgelt auch fotografieren zu dürfen. Der Kocher zieht tief orangene Wolle aus dem blubbernden Kesssel, während sein Kompagnon den Zulauf des Öls aus dem in Kopfhöhe aufgehängten Fass in die Brennkammer kontrolliert:

Trotz der verwendeten Schutzhandschuhe färben sich auf Dauer nicht nur die Textilien, sondern auch die Hände:Anschließend wird die heiße Wolle in einer großen, oben offenen Schleuder möglichst viel von Nässe befreit, das Wasser läuft dabei um die Gummistiefel der Männer in den Abfluss.

Schließlich werden die restfeuchten Wollbündel auf einen Wagen geladen und zu einem geeigneten Trockenplatz gefahren. Meist ist das ein Stockwerk höher auf den Dächern, es gibt aber auch malerische und kaufanregende Arrangements in den Gängen des Souks:

Man beachte, wie die Farben des Materials auf dem Wagen je nach Lichteinfall changieren:

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6. Jardin Majorelle – der Garten von Yves Saint Laurent

Bevor es von der Medina in die Neustadt geht, benötige ich eine kräftige Stärkung in Form eines Granatapfelflashs beim singenden Saftpresser:

Nun eine ganz andere, nicht minder wundervolle Welt. Im Koran gilt ein umschlossener schöner Garten als Sinnbild des Paradieses. Dieser hier war bereits in den 50er Jahren öffentlicher Privatbesitz des Malers Jacques Majorelle, der die zugehörigen Gebäude in einer eigenen speziellen Abstufung des Kobaltblaus gestaltete, im bewussten Kontrast zum saftigen Grün der gesammelten Botanik. Nach dessen Tod und Verwilderung der Anlage erwarb der Modeschöpfer YSL diese und machte sie nach einem Upgrade der Öffentlichkeit wieder zugänglich.
Und so empfängt nun ein plätschender Brunnen vor einem Bambuswald den geneigten Besucher:

Schon rasch schimmert das BLAU durch das Grün:

An diesem beliebtesten Fotoplatz konnte ich nicht vorbeigehen:

Wahrlich paradiesisch:

Dieser Tag war ein besonderer!
Thesaurus sagt:
großartig (Hauptform) · atemberaubend · atemraubend · ausgezeichnet · beispiellos · brillant · einzigartig · erstklassig · exzellent · fabelhaft · fantastisch · fulminant · ganz große Klasse · genial · glänzend · grandios · herausragend · hervorragend · himmlisch · hinreißend · ohne Beispiel · phänomenal · phantastisch · sagenhaft · (ein) Traum · traumhaft · überwältigend · umwerfend · unglaublich · unübertrefflich · unübertroffen · unvergleichlich · von außerordentlicher Qualität · von höchster … (Intensität o.ä.) · wunderbar · wundervoll · begnadet (geh.) · berückend (geh.) · himmelsgleich (geh.) · magnifik (geh., veraltet) · (eine) Offenbarung (geh.) · superb (geh.) · süperb (geh.) · überragend (geh.) · zum Niederknien (geh.) · zum Sterben schön (geh.) · absolut irre (ugs.) · absolut super (ugs.) · absoluter Wahnsinn (ugs.) · affengeil (ugs.) · bäumig (ugs., schweiz., veraltet) · bestens (ugs.) · du kriegst die Motten! (Ausruf) (ugs.) · (aller)erste Sahne (ugs.) · (das) fetzt (ugs.) · ganz großes Kino (ugs., fig.) · geil (jugendsprachlich) (ugs.) · Hammer! (Jugendsprache) (ugs.) · hammergeil (Jugendsprache) (ugs.) · klasse (ugs.) · megacool (ugs.) · nicht zu fassen (ugs.) · nicht zu toppen (ugs.) · (das) rockt (ugs.) · saugeil (jugendsprachlich) (ugs.) · Spitze (ugs.) · super (ugs.) · toll (ugs.) · top (ugs.) · urst (ostdeutsch-jugendsprachlich) (ugs.) · vom Feinsten (ugs.) · Wahnsinn (ugs.) · wumbaba (neol., ironisch) (ugs.)


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