Nach Zeit und Raum (s. das Pendel von Gerhard Richter für Münster – Beitrag 27. 06. 2018)
nun also das Licht.
Interessante elementare Erfahrungen im Ruhestand.

Es geht um nichts geringeres als um Fragen:
● Was ist Licht?
● Was ist Farbe?
Ein zeitgenössischer Fachmann, wie der Physikprofessor und Spezialist für Quantenoptik Arthur Zajonic berichtet, dass Niels Bohr, Werner Heisenberg und Albert Einstein „auch nach 50 Jahren Grübeln“ keine Antwort auf die Frage gefunden hatten ‚Was sind Lichtquanten?‘.
Wie kann man dann als Laie damit umgehen?

Durch das Erleben!

Möglich macht dies der amerikanische Land-Art-Künstler James Turrell mit seinen Raum-Licht-Installationen. Aktuell zu sehen (und zu erleben!) noch bis Oktober 2018 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden.

Die Beiträge im Katalog titeln:
– „Nichts ist zwischen mir und dem Licht.“(Armin Kratzert)
– „Ein Blick nach Innen – Der Weg zu sich selbst.“ (Henning Schaper)
Und die Formulierungen sind nicht übertrieben.

Es geht um ein Erlebnis im Licht (Ganzfeld) oder darum, den Himmel auf die Erde zu holen (Skyspace).

Und wunderbar, wenn man – wie in meinem Fall – die Erlebnisse und Eindrücke durch die entsprechende Lektüre begleiten und vertiefen kann:

Das Werk von A. Zajonc stellt in historischer, natur- und geisteswisenschaftlicher Beschreibung umfangreich dar, dass das äußere Licht nur durch ein inneres, gestaltgebendes Vorstellungsvermögen erst wahrnehmbar wird. (Farben als Taten und Leiden des Lichts – sowohl in der Welt als auch im Auge und Bewusstsein.)
„Alles Schauen ist ja im gleichen Maße
– ein gerichteter Willensakt,
– ein gefühltes Erlebnis und
– eine Übung der Sinnfindung.
Auch wenn Turrells Werk natürlich einfach als Kunst genossen werden kann, bietet es doch gleichzeitig eine Möglichkeit zur Selbstreflektion und Selbstfindung. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen – schauen uns zu, wie wir schauen – um uns so zu interpretieren. Die einzigartige menschliche Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung wird durch Turrells Kunst gesteigert.“

Dies in besonderer Weise in einem als Ganzfeld gestalteten Raum. „Als Ganzfeld bezeichnet man ein homogenes Sehfeld, dessen Grenzen außerhalb des Gesichtsfeldes liegen und von dem keine abweichenden strukturellen Reize – außer Licht und Farbe – ausgehen.“ (Gehring, Ulrike; Bilder aus Licht)
„Normalerweise dient uns das Licht dazu, etwas zu beleuchten. Ich wollte aber nicht mit Licht etwas anderes erhellen, sondern das Licht selbst offenbaren. Das ist schwierig. Dafür muss man ein Instrument erfinden.“ (James Turrell)
In einem Ganzfeld-Raum wird der Besucher Teil eines entgrenzten Lichtraumes, einer präzise gestalteten Licht-Raum-Installation durch den Übergang vom Bildlicht zum Raumlicht.
A. Zajonc: „Betreten Sie eine der Ganzfeld-Installationen von Turell, so finden Sie sich in einem sinnlichen Farbraum, der Sie aus der Welt der Dinge fortträgt in einen sich langsam wandelnden Kosmos des reinen Farberlebens.“

Diese Erfahrung wird auch als ‚Erlebnis aus wortlosem Denken‘ beschrieben, es vermittelt Farbe als wahrnehmbare Materie in einer unbegrenzt wirkenden Umgebung.

Verständlicherweise ist dies durch situative Fotos nicht vermittelbar; deshalb gibt es hier auh keine.

Ein Skyspace ist in Baden-Baden nicht kurzfristig installierbar gewesen. Dies ist ein geschlossener Raum, der durch eine Öffnung in Decke oder Dach (kreisförmig, elliptisch, quadratisch) den Himmel in Übergangssituationen (Dämmerung) in besonderer Weise erlebbar macht. Anliegen des Künstlers ist es, ‚den unendlichen Lichtdom des Himmels und seine faszinierenden Sternenkonstellationen in menschliche Reichweite zu bringen: „Oft schauen wir zum Himmel und denken, dass er so weit weg ist. Aber meine Skyspaces bringen den Himmel herunter an die Decke des Raumes, in dem man sich befindet. Er ist also nicht mehr weit weg, sondern in Reichweite. … Dieses Erleben einer höheren Wirklichkeit, wie sie auch in meinen Arbeiten entseht, könnte man fast mit einer bewusstseinserweiternden Droge vergleichen.“ (James Turrell)‘

Auch an dieser Stelle keine Fotos, sondern nur der Hinweis, dass der nächstgelegene Skyspace in Unna erlebbar ist.
link Skyspace Unna
Im Zentrum für Internationale Lichtkunst ist 2009 nach Plänen von James Turrell ein Gebäude errichtet worden, das den Himmel in einer Art Camera Obscura tatsächlich dem Besucher zu Füßen legt. Und zu ausgewählten Terminen durch Konstruktion und Beleuchtung an die Raumesdecke holt.

Der nächste Besuch dieses Werkes Third Breath ist also absehbar.


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