11. August 2021 • GTA 7 Rima-> Alagna • 15,2 km – 07:50 h – 1171 Hm /

Ja! Ja! Wir wollen los! Und der Wetterbericht hat beste Bedingungen angekündigt. Aber – – – der Magen von Frau M. rumort. Und die Wanderapp Komoot streikt erstmals. Jede*r von uns beiden hat ein Problem. Was tun?“ Что делать?, Tschto delat? Čto delat‘? fragte schon Lenin 1902. 119 Jahre später heißt für uns die Therapie ‚Langsames Asphaltwandern‘.

So nähern wir uns Rima, das vor einigen Jahren den Titel ‚Blumendorf‘ erhalten hatte. Die vorgebauten Balkone sind tatsächlich üppig mit Geranien geschmückt. Allmählich geht es aufwärts, bis wir den Blick frei haben auf den gestrigen Abstieg. Das Merinoshirt muss dieses Mal aufgehängt am Rucksack trocknen; an Schneefeldern, verlassenen Almen und dem Weißen Haus des Bildhauers Dellavedova auf einem Felssporn vorbei wird der Pass Colle Mud 2324 m erreicht.

Bätzing schreibt: „Diese Etappe stellt einen der landschaftlichen Höhepunkte des nördlichen Abschnittes der GTA dar, weil das Monte-Rosa-Massiv hier von 4554 m unvermittelt auf 1500 m Höhe abfällt.“ Leider ist diese imposante Ansammlung von Viertausendern von hier nicht zu sehen, da der Monte Mud die Sicht versperrt. Und an vorherigen Passübergängen waren es Wolkenvorhänge, hinter denen sich dieser Gebirgsriese versteckte. Konnte es nicht doch eine Möglichkeit geben, zumindestens teilweise einen Blick auf die mit 3000 Metern höchste Steilwand der Alpen zu erhaschen?

Auf dem Pass verschieben wir die vorgesehene Rast angesichts der 10 Minuten entfernt liegenden Alpenvereinshütte; das Rifugio Ferioli ist eine der wenigen Möglichkeiten auf der GTA, ziemlich weit oben eine Einkehrmöglichkeit genießen zu können.

Martin sein 📱 Handy 🤳

Beim Anstieg war uns ein italienisches Paar entgegengekommen, das fragte, ob wir ein Handy verloren hätten. Wir verneinten, sie stiegen mit dem Fundgegenstand weiter ab Richtung Rima. Nach einer Stunde kam uns ein Teilnehmer der Vierergruppe (mit denen wir schon seit Tagen immer wieder Begegnungen hatten) in vollem Lauf entgegen. Es war Martin, der sein Telefonino auf einer verlassenen Alm hatte liegen lassen und dem er nun hinterher jagte. Zuvor war er bereits 1000 Hm aufgestiegen, um nun dieselbe Strecke wieder hinunter zu jagen. Wir zogen weiter und trafen bei der Einkehr seine 3 Kollegen, die dort auf ihn warteten. Nach geraumer Zeit traf dort auch Martin ein, nach weiteren 1000 Hm ziemlich erschöpft. In Rima war kein Handy abgegeben worden, weder in der Bar Alpino noch im Ufficio Touristico. 😳😥😮‍💨 Das Taschentelefon war zunächst verschollen.

Später haben wir dann erfahren, dass Martin sein Handy noch am gleichen Abend in Alagna erhalten hat. Wie das Telefonino die 45 Straßenkilometer aus dem Nachbartal zurückgelegt hat, das bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen.

Auf der Hütte gibt es die übliche Getränkekombination dazu ‚Tagliere‘ (ein Brett mit Salami, Lardo, Bresaola, Schinken und Käse) und Minestrone. Wer hat wohl was verzehrt/getrunken?

Ein aufgestelltes historisches Fenster lädt ein, mit einem Blick auf den gut 1000 Meter tiefer gelegenen Talort zu verweilen. Zahlreiche Wandergäste scheinen etwas anders zu bevorzugen.

Und der Blick auf den Monte Rosa? Auf der Hütte ist zu erfahren, dass es 200 Hm höher, eine halbe Stunde entfernt, ein ‚Belvedere‘ auf den ganzen Talabschluss samt allen Gipfeln gibt: Über die Kante schauen am Punkt 2456 m im Grat Cresta Sassi Bianchi! Matthias kommt gerade von dort zurück und berichtet: „Blick nur teilweise möglich, nachmittags viele Wolken. Morgens ist es besser.“ In mir keimt eine Idee ….. Voglio vedere i miei montagne

Foto: Matthias GTA

Nach so viel Austausch schließlich doch ein langer Abstieg an Almen, Schafen, Kühen und Eseln vorbei, zum Schluss eine nahezu endlose Zahl von Stufen. Wer hat so etwas gebaut? Die Nutzung der Alpe Mud auf halber Höhe wurde bereits im Jahr 1025 erwähnt. Tausend Jahre lang ist dieser atemberaubende Pfad regelmäßig begangen worden! Ankunft in Pedemonte, dem hintersten und ältesten Ortsteil der Walsersiedlung Alagna – Alagna, das heißt in der fast ausgestorbenen Sprache der Walser ‚Im Land‘.

֎ ֎ ֎ ֎

Übernachtung in Alagna: Agriturismo Alagna; Übernachtung/Frühstück auf Hotelniveau; Tel. +39 3289631049; sehr empfehlenswert; Ü/F 90 € im geräumigen Doppelzimmer mit Dusche/WC


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