Die Zeit erleben …
Den Raum erleben …
Allgemein …
Biografisch …
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All dies ist seit letzter Woche in Münster/Westf. in besonderer Weise möglich:

Detaillierte Beschreibung und weitere Links siehe hier.

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In dem (bis auf einige Besucher) leeren Kirchengebäude schwingt die silberne Kugel gleichmäßig über einer grauen Steinplatte hin und her – und sogleich spüre ich eine besondere Atmosphäre. Die Bewegung wirkt harmonisch und lädt in ihrer gleichbleibenden Art zur Betrachtung ein. Zunächst versinkt für mich die Umgebung drumherum und ich lasse das Bild auf mich einwirken. Die Wiederholungen sind fast wie ein Ostinato von Pink Floyd. Dazwischen tauchen eigene Überlegungen und Äußerungen von Mitbesuchern auf – Versuche, das Setting intellektuell zu verstehen: „Ich überlege mir Sachen, woran ich sonst gar nicht denke …“
Dann doch die eigene Frage: „Wo dreht sich hier etwas?“ Tatsächlich – die Nullmarkierung des Grauwackenkreises zeigt konstant in Richtung Ausgang, doch die Schwingsungsebene verschiebt sich von der 36 auf die 48

Durch Anschauung und Überlegung kann ich mir klarmachen, dass nicht die Pendelrichtung sich geändert hat, sondern dass ich mich mitsamt dem Kirchenboden gedreht habe, trotz des Gefühls, auf festem Grund zu stehen.

Relativität des eigenen Erlebens.

Und: In welcher zeitlichen Dimension befinde ich mich hier eigentlich?
Die Grauwacken unter der Schwingungsebene sind 380 Millionen Jahre alt;
das Pendel benötigt von einer Gradeinteilung zur nächsten 12 Minuten.
Schließlich tauchen biografische Bilder auf – das Thema ‚Zeit‘ hat mich zeitlebens beschäftigt:
● Kunstagentur Zeytmann: Kunstaktionen und Editionen in den letzten Kölner Jahren (1970er), gemeinsam mit Eckhard W.
● ‚Zeitorientierung bei Geistigbehinderten‘ – schriftliche Arbeit zum 2. Staatsexamen
● Hier nur 3 meiner Lieblingsbücher zum Thema:
– Rudolf Wendorf: Zeit und Kultur
– Wilhelm Hoerner: Zeit und Rhythmus
– Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit
● …….
Und das Pendel schwingt …….

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„Du selber machst die Zeit, das Uhrwerk sind die Sinnen;
hemmst du die Unruh nur,so ist Zeit von hinnen.“
Angelus Silesius
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Zwischenzeitlich Mittagessen mit Frau M. in der Fischbrathalle, einer scheinbar aus der Zeit gefallenen Institution in Münster.

Nur Mittagstisch, sehr solide und lecker!
Echt ‚Old School‘ – empfehlenswert!

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Anschließend ein weiterer gemeinsamer Besuch der Dominikanerkirche.
Das Pendel ist weiter gewandert – NEIN –
die Erde hat sich weiter gedreht:
Schließlich die beiden grauen Doppelspiegel, die das Schwingen seitlich reflektieren. Nicht wie ‚richtige‘ gegenüberliegende Glasflächen bis in die Unendlichkeit, sondern die gegenseitigen Abbildungen wiederholen sich nur einige Male.

Begrenztheit der Wahrnehmung.

Korinther 13 kommt mir in den Sinn: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“

Welche Dimension in dieser Installation!

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Und schließlich noch einmal die eigene biografische Situation —
Warum bin ich eigentlich zu diesem Zeitpunkt in Münster?
Es ist die glückliche Geburt des vierten Enkelmädchens!

Großvater – Enkel – Zeit – – –

Im Ruhestand gehen …….

Es geht weiter ’18

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