Abschließender Beitrag zu meiner Woche in Marrakesch
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Marrakesch – was bleibt?
Die inneren Bilder – die gelesene Literatur – der nachfolgende Austausch – eine neue Sensibilität – …

Zur Literatur:

Zur Lektüre vor Ort hatte ich mir den Großmeister des Erzählens, Elias Canetti, aufgehoben und mitgenommen. Viele Beschreibungen aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts sind nach wie vor zutreffend, bei anderem (wie z. B. dem Kamelmarkt) können deutliche aktuelle Differenzierungen festgestellt werden. Bei aller sinnreichen Schilderung stellt sich jedoch 60 Jahre später schnell die Frage nach dem touristischen und auch eurozentrischen Blick. Was ist authentisches Leben vor Ort? Was ist inszeniert für Besucher? Wie weit ist das ‚In-Szene-Setzen für Touristen‘ authentisches Dasein?
So scheint mir der ‚Hof der Färber‘ eine farbenfrohe und durchaus faszinierende Inszenierung zu sein – – – doch, welcher Tourist kauft frisch gefärbte Wolle? Da wird dann dort schon eher meiner Begleiterin Maruna ein ‚wunderschönes‘ Schultertuch aufgehandelt zu einem ’sensationellen‘ Preis. Doch auch dieser lässt sich noch deutlich reduzieren, da sie angeblich (!) nicht genug Bargeld dabei hat und ich ihr natürlich nur einen Bruchteil leihen kann. So etwas ist unzweifelhaft Alltagsleben vor Ort.

Und der touristische Blick?

Der touristische Blick
Culler: Touristen als „agents of semiotics“[2], als Semiotiker, der alles, was er sieht, als Zeichen einer kulturellen Praxis versteht, als „authentisch“. Authentisch ist für den Touristen das, „was jenseits seines Gebrauchswertes teilhat an einer für die Fremdkultur spezifischen kulturellen Zeichenpraxis“[1]
Das „Typische“ repräsentiert sich dem Touristen aber nicht unvermittelt, sondern vermittelt durch Marker, also z. B. Reiseführer, Museen, Postkarten, Hinweisschilder.
Authentizität hängt daher nicht an der Sache selbst, sondern bedarf einer semiotischen Vermittlung, durch die ein Signifikant durch einen weiteren Signifikanten als authentisch markiert wird.
Modernen Tourismus kennzeichnet so der permanente Zwang zur Beglaubigung von Authentizität.

Diesem Zitat aus Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stimmen_von_Marrakesch) kann ich nicht unbedingt folgen. Als ‚Tourist‘ bin ich heutzutage mit einem kritischen Bewusstsein unterwegs, das nicht alles Fremde, Neue und Ungewohnte uneingeschränkt verherrlicht, sondern durchaus wohlwollend wahrnimmt, aber achtsam bewertet und einordnet. Gerade im lauten und oft zudringlichen Marrakesch.
So bleiben die Beschreibungen von Canetti beeindruckende historische Momente:

Schwieriger zu bewältigen war für mich der Ausflug mit Hubert Fichte in die 70er Jahre. Sein Buch ist sehr kunstvoll konstruiert, in Anlehnung an den Koran. Doch da ich darüber zu wenig weiß und auch keine Affinität zum Erleben des Platzes als homosexuellen Supermarkt hatte, hat mich diese Publikation der Beat-Literatur kaum berührt.
Noch weniger ‚Khamsa‘ von Michael Fisch. Enthält zweifellos interessante Beschreibungen, aber die Verquickungen mit Päderastie machen es sehr mühsam zu lesen.
Bleibt noch ein literarischer Versuch, den ich noch nicht kenne:Enthält 88 Miniaturen, Beobachtungen des Platzes.

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Welche inneren Bilder dauern fort?
Z. B. solch eine Notiz:Tatsächlich 6 von 7 sonnige Tage, angereichert von einem Schneemannfoto mit mit Enkelin P. aus der Heimat. Und Augenblicke von Afrika&Orient gleichzeitig. Und in den Berichten immer wieder die Freiheit zu einer Rentnerwoche Auszeit. Und … Und … Und …

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Bevor es nun wieder zurück geht, doch noch ein Verweis auf einen äußerst interessanten Artikel von Hassouna Mosbahi aus der ‚Berliner Zeitung‘ vom 27.06.98: „In Marrakesch kann das Wirkliche zum Mythos werden und die Realität als Produkt der Einbildung erscheinen Ich sah wundervolle Vögel, die überall herumflogen“
Mythos oder Realität

Marrakech – Au revoir

Hieß es noch am 05. Dezember 2017: „Eine alte Rechnung … “
kann ich nun vermelden: „Beglichen!“


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